Ihr Traktor, Ihre Daten: Wie der EU Data Act (EU-Datengesetz) Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung) für Landwirte ermöglicht
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Ihr Traktor, Ihre Daten: Wie der EU Data Act (EU-Datengesetz) Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung) für Landwirte ermöglicht

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Ein Reifenplatzer mitten in der Ernte kostet nicht nur einen Reifen. Er kostet wertvolle Stunden, erhöht das Risiko zusätzlicher Maschinenschäden und zwingt Sie dazu, unter Zeitdruck Ersatz zu beschaffen – genau dann, wenn alle anderen ebenfalls im Einsatz sind. Doch was wäre, wenn sich ein solcher Ausfall verhindern ließe? Moderne Landmaschinen und Agrargeräte sind mit Sensoren ausgestattet, die genau die Signale erfassen, die häufig auf einen bevorstehenden Defekt hinweisen: Reifendruck, Achsverschleiß, Lastverteilung, Motorbelastung unter verschiedenen Bedingungen, Betriebstemperaturen, Hydraulikdruck und vieles mehr. Mit anderen Worten: Ihre Maschinen liefern bereits heute die Daten, die frühzeitig anzeigen, wann ein Bauteil seine Lebensdauer erreicht. Bisher wurden viele dieser Daten über die Systeme der Hersteller verarbeitet und standen vor allem Händlern zur Verfügung, während Landwirte als Eigentümer und Betreiber nur begrenzten Zugriff hatten. Ab September 2025 ändert sich dies durch die Anwendung des EU Data Act (EU-Datengesetzes): Die von vernetzten Maschinen erzeugten Daten werden für die Nutzer zugänglich – und können direkt für Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung) genutzt werden.
Was ist Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung)?

Die meisten Wartungsprogramme lassen sich in zwei Kategorien einteilen:

  • Reaktive Wartung: Reparaturen erfolgen erst nach einem Defekt. Kurzfristig erscheint das oft günstiger – bis ein Ausfall im ungünstigsten Moment eintritt.
  • Geplante Wartung: Die Maschine wird in festen Intervallen gewartet. Das ist besser als abzuwarten, kann jedoch bedeuten, dass noch funktionstüchtige Teile zu früh ersetzt werden oder Schäden übersehen werden, die sich unter hoher Belastung schneller entwickeln.

Predictive Maintenance funktioniert anders. Statt sich am Kalender zu orientieren oder auf einen Defekt zu warten, werden Betriebs- und Zustandsdaten genutzt, um den tatsächlichen Wartungsbedarf zu erkennen. Unregelmäßiger Reifenverschleiß, erhöhte Motortemperaturen oder ein schleichender Druckverlust in der Hydraulik zeigen sich meist als Muster – lange bevor ein sichtbares Problem entsteht.

Für Landwirte ergeben sich daraus unmittelbare Vorteile:

  • Reifen werden ersetzt, wenn die Daten es anzeigen, nicht wenn ein Wartungsplan es vorgibt.
  • Probleme werden in ruhigeren Zeiten erkannt – nicht während der Ernte.
  • Entscheidungen basieren auf realen Einsatzbedingungen statt auf theoretischen Annahmen.

Das größte Hindernis war bisher der Zugang zu den zugrunde liegenden Daten. Genau hier setzt der Data Act an.

 
Wie der Data Act Ihre Wartungsdaten freisetzt

Der Data Act etabliert ein klares Prinzip: Nutzer vernetzter Produkte sollen Zugang zu den von diesen Produkten erzeugten Daten haben. Für Landwirte, die moderne Traktoren, Mähdrescher, Spritzen und zunehmend auch vernetzte Komponenten wie Reifen einsetzen, eröffnet sich damit ein direkter Zugang zu leistungs- und zustandsrelevanten Wartungsdaten.

Für Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung) sind genau diese Daten entscheidend, darunter:

  • Reifendruckverläufe über längere Zeiträume
  • Verschleißindikatoren und Verschleißmuster
  • Last- und Belastungsprofile
  • Betriebstemperaturen
  • Fehlercodes und Leistungstrends
  • Bauteilbezogene Leistungskennzahlen

Bisher konnten Hersteller und autorisierte Händler diese Informationen nutzen, um Empfehlungen zu erstellen – häufig ohne Landwirten denselben Einblick zu gewähren. Mit den neuen Zugriffsrechten können Landwirte die Daten selbst abrufen und, entscheidend, auch an Dritte weitergeben.

Das ist wichtig für Wettbewerb und Servicequalität. Ein unabhängiger Reifenspezialist, der Ihre tatsächlichen Verschleißmuster analysiert, kann deutlich präzisere Empfehlungen geben als jemand, der nur mit allgemeinen Annahmen arbeitet. Ebenso kann ein unabhängiger Mechaniker mit realen Betriebsdaten aufkommende Probleme zuverlässiger diagnostizieren. Wenn mehrere Dienstleister auf dieselben zugrunde liegenden Informationen zugreifen können, stärkt das den Preis- und Servicewettbewerb.

 
So erhalten Sie Zugriff auf Ihre Wartungsdaten

Der Zugang sollte unkompliziert sein. In der Praxis können Sie Folgendes erwarten:

  1. Ermitteln Sie, welche Daten Ihre Maschinen erfassen: Die erfassten Daten variieren je nach Maschine und Modell. Häufig gehören dazu jedoch Betriebsstunden, Bauteiltemperaturen, Druckwerte, Verschleißindikatoren, Lastdaten, Fehlercodes und Trendinformationen. Hersteller sollten transparent darlegen, welche Daten erhoben werden und wie darauf zugegriffen werden kann.

  2. Fordern Sie den Zugriff schriftlich an: Sie können den Zugriff direkt beim Hersteller oder über den Händler beantragen. Bitten Sie um Wartungs- und Leistungsdaten der Maschine, einschließlich – sofern verfügbar – Echtzeitzugriff und Download historischer Daten. Eine Begründung für die Anfrage sollte nicht erforderlich sein.

  3. Achten Sie auf nutzbare Datenformate: Die Daten sollten in strukturierter, maschinenlesbarer Form bereitgestellt werden, sodass sie für Analysen oder den Import in Farm-Management- oder Wartungssoftware geeignet sind. Sie sollten nicht auf unbrauchbare Formate (z. B. statische PDFs) beschränkt oder an eine einzelne proprietäre Plattform gebunden sein.

  4. Erwarten Sie keine Gebühren für den Rohdatenzugriff: Für den Zugriff auf die reinen Rohdaten sollten Hersteller keine zusätzlichen Gebühren verlangen. Kosten können für Mehrwertdienste wie Analysen, Dashboards oder Berichte entstehen – nicht jedoch für die zugrunde liegenden Daten selbst.

Ihre Daten für intelligentere Wartung nutzen

Sobald Sie Zugriff haben, sollten Sie Ihre Daten als kontinuierliches Arbeitsinstrument betrachten – nicht als Sammlung einzelner Messwerte.

  • Trends statt Momentaufnahmen verfolgen: Ein einzelner Reifendruckwert ist wenig aussagekräftig. Druckverläufe über Wochen und Monate können auf schleichende Lecks, Materialermüdung oder Montageprobleme hinweisen.
  • Ähnliche Maschinen vergleichen: Wenn die Reifen eines Traktors deutlich schneller verschleißen als bei einem anderen mit vergleichbaren Einsatzbedingungen, ist das ein wichtiges Signal. Es kann auf höhere Belastungen, Spurprobleme oder Bedien- und Bodenfaktoren hinweisen.
  • Leistung mit Einsatzbedingungen verknüpfen: Daten gewinnen an Wert im Kontext. Schnellerer Reifenverschleiß auf bestimmten Flächen kann auf Bodenverhältnisse, Entwässerung oder Geländegegebenheiten hinweisen. Saisonale Belastungsspitzen zeigen, wann präventive Wartung besonders sinnvoll ist.
  • Daten mit unabhängigen Fachleuten teilen: Die Möglichkeit, Daten an Dritte weiterzugeben, ist einer der größten praktischen Vorteile. Ein Reifenspezialist, der reale Verschleißdaten unter Ihren tatsächlichen Einsatzbedingungen auswertet, kann präzisere Empfehlungen geben als allgemeine Richtwerte. Ein Mechaniker mit Motor- und Temperaturdaten erkennt mögliche Verschlechterungen oft früher als bei routinemäßigen Werkstattkontrollen.
  • Den Wartungszeitplan datenbasiert steuern: Wechseln Sie von festen Intervallen zu evidenzbasierten Entscheidungen. Warten Sie, was tatsächlich Verschleiß zeigt, und lassen Sie Komponenten in Ruhe, die einwandfrei funktionieren. Nutzen Sie ruhigere Zeiten für präventive Maßnahmen, wenn die Daten auf ein entstehendes Problem hinweisen.
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Konkrete Schritte für den Einstieg
  • Beim Kauf neuer Maschinen die richtigen Fragen stellen: Welche Wartungsdaten werden erfasst? Wie erfolgt der Zugriff? Können Daten heruntergeladen und mit Dritten geteilt werden? Betrachten Sie den Datenzugang als Teil der Investitionsentscheidung.
  • Den bestehenden Maschinenpark prüfen: Ermitteln Sie, welche Daten Ihre aktuellen Maschinen bereits erfassen und was davon zugänglich ist. Geräte, die vor September 2025 angeschafft wurden, können je nach Produkt und Situation weiterhin relevant sein – es lohnt sich, schon jetzt nachzufragen.
  • Die richtigen Partner zur Datenauswertung finden: Der Wert der Daten liegt nicht nur im Besitz, sondern darin, wer sie in konkrete Entscheidungen umsetzt. Unabhängige Mechaniker, Reifenspezialisten sowie Agrar- und Betriebsberater können dabei eine wichtige Rolle spielen.
  • Einfach beginnen: Sie benötigen keine komplexen Analysesysteme, um Vorteile zu erzielen. Bereits die grundlegende Überwachung von Verschleißindikatoren, Temperaturtrends und Druckverläufen kann starre Standard-Wartungspläne deutlich verbessern.
Das große Ganze

Über Jahre hinweg waren die Daten, die Wartung effizienter machen könnten, faktisch in den Ökosystemen der Hersteller eingeschlossen. Landwirte besaßen die Maschinen, hatten jedoch keinen umfassenden Zugriff auf deren Daten. Der Data Act verändert dieses Verhältnis grundlegend. Predictive Maintenance ist kein Selbstzweck. Es geht darum, Ausfälle während der Ernte zu vermeiden, die maximale Lebensdauer aus vorhandenen Komponenten herauszuholen und Probleme dann zu beheben, wenn sie günstiger und einfacher zu lösen sind. Die dafür notwendigen Daten existierten schon immer – jetzt können Sie sie nutzen. Sie investieren viel Arbeit in die Wartung Ihrer Maschinen. Lassen Sie Ihre Daten genauso hart für sich arbeiten.

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