Die meisten Wartungsprogramme lassen sich in zwei Kategorien einteilen:
Predictive Maintenance funktioniert anders. Statt sich am Kalender zu orientieren oder auf einen Defekt zu warten, werden Betriebs- und Zustandsdaten genutzt, um den tatsächlichen Wartungsbedarf zu erkennen. Unregelmäßiger Reifenverschleiß, erhöhte Motortemperaturen oder ein schleichender Druckverlust in der Hydraulik zeigen sich meist als Muster – lange bevor ein sichtbares Problem entsteht.
Für Landwirte ergeben sich daraus unmittelbare Vorteile:
Das größte Hindernis war bisher der Zugang zu den zugrunde liegenden Daten. Genau hier setzt der Data Act an.
Der Data Act etabliert ein klares Prinzip: Nutzer vernetzter Produkte sollen Zugang zu den von diesen Produkten erzeugten Daten haben. Für Landwirte, die moderne Traktoren, Mähdrescher, Spritzen und zunehmend auch vernetzte Komponenten wie Reifen einsetzen, eröffnet sich damit ein direkter Zugang zu leistungs- und zustandsrelevanten Wartungsdaten.
Für Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung) sind genau diese Daten entscheidend, darunter:
Bisher konnten Hersteller und autorisierte Händler diese Informationen nutzen, um Empfehlungen zu erstellen – häufig ohne Landwirten denselben Einblick zu gewähren. Mit den neuen Zugriffsrechten können Landwirte die Daten selbst abrufen und, entscheidend, auch an Dritte weitergeben.
Das ist wichtig für Wettbewerb und Servicequalität. Ein unabhängiger Reifenspezialist, der Ihre tatsächlichen Verschleißmuster analysiert, kann deutlich präzisere Empfehlungen geben als jemand, der nur mit allgemeinen Annahmen arbeitet. Ebenso kann ein unabhängiger Mechaniker mit realen Betriebsdaten aufkommende Probleme zuverlässiger diagnostizieren. Wenn mehrere Dienstleister auf dieselben zugrunde liegenden Informationen zugreifen können, stärkt das den Preis- und Servicewettbewerb.
Der Zugang sollte unkompliziert sein. In der Praxis können Sie Folgendes erwarten:
Ermitteln Sie, welche Daten Ihre Maschinen erfassen: Die erfassten Daten variieren je nach Maschine und Modell. Häufig gehören dazu jedoch Betriebsstunden, Bauteiltemperaturen, Druckwerte, Verschleißindikatoren, Lastdaten, Fehlercodes und Trendinformationen. Hersteller sollten transparent darlegen, welche Daten erhoben werden und wie darauf zugegriffen werden kann.
Fordern Sie den Zugriff schriftlich an: Sie können den Zugriff direkt beim Hersteller oder über den Händler beantragen. Bitten Sie um Wartungs- und Leistungsdaten der Maschine, einschließlich – sofern verfügbar – Echtzeitzugriff und Download historischer Daten. Eine Begründung für die Anfrage sollte nicht erforderlich sein.
Achten Sie auf nutzbare Datenformate: Die Daten sollten in strukturierter, maschinenlesbarer Form bereitgestellt werden, sodass sie für Analysen oder den Import in Farm-Management- oder Wartungssoftware geeignet sind. Sie sollten nicht auf unbrauchbare Formate (z. B. statische PDFs) beschränkt oder an eine einzelne proprietäre Plattform gebunden sein.
Erwarten Sie keine Gebühren für den Rohdatenzugriff: Für den Zugriff auf die reinen Rohdaten sollten Hersteller keine zusätzlichen Gebühren verlangen. Kosten können für Mehrwertdienste wie Analysen, Dashboards oder Berichte entstehen – nicht jedoch für die zugrunde liegenden Daten selbst.
Sobald Sie Zugriff haben, sollten Sie Ihre Daten als kontinuierliches Arbeitsinstrument betrachten – nicht als Sammlung einzelner Messwerte.
Über Jahre hinweg waren die Daten, die Wartung effizienter machen könnten, faktisch in den Ökosystemen der Hersteller eingeschlossen. Landwirte besaßen die Maschinen, hatten jedoch keinen umfassenden Zugriff auf deren Daten. Der Data Act verändert dieses Verhältnis grundlegend. Predictive Maintenance ist kein Selbstzweck. Es geht darum, Ausfälle während der Ernte zu vermeiden, die maximale Lebensdauer aus vorhandenen Komponenten herauszuholen und Probleme dann zu beheben, wenn sie günstiger und einfacher zu lösen sind. Die dafür notwendigen Daten existierten schon immer – jetzt können Sie sie nutzen. Sie investieren viel Arbeit in die Wartung Ihrer Maschinen. Lassen Sie Ihre Daten genauso hart für sich arbeiten.